Zwischen „Der DGB ist und bleibt antimilitaristisch.“ und standortnationalistisch europäischer Kriegsvorbereitung – Über eine bemerkenswerte Beschlusslage und die Rückkehr der Friedensfrage in die Gewerkschaften
Von Andreas Buderus
Als Friedrich Merz am 12. Mai 26 auf Einladung des DGB-Bundesvorstandes auf dessen 23. Ordentlichen Bundeskongress spricht, sitzen im Saal junge Gewerkschafter:innen mit T-Shirts, auf denen in großen Lettern steht: „Ausbildungsplätze statt Kriegseinsätze“. Sie tragen sie sichtbar. Konsequent. Nicht vorsichtig unter Jacken verborgen, sondern demonstrativ – auch während der Rede jenes Kanzlers, der Deutschland wieder einmal mit der „stärksten Armee Europas“ ausstatten will und dessen Regierung die militärische Neuaufstellung Europas inzwischen zur historischen Staatsaufgabe erklärt hat.
Über Kriegsertüchtigung spricht Merz an diesem Vormittag nur am Rand und verklausuliert. So offen ist die Lage noch nicht. Stattdessen ist von „geopolitischen Herausforderungen“ die Rede, von Verantwortung, Wettbewerbsfähigkeit und davon, dass die Zeiten vorbei seien, in denen die arbeitenden Klassen nach dem Diktum seines Vorgängers Scholz glauben sollten, die Kosten der „Zeitenwende“ träfen nur andere. Künftig werde es eben auch „Opfer“ brauchen. Das Wort fällt beiläufig. Fast technisch. Gerade deshalb bleibt es hängen.
Und während vorne auf der Bühne die Sprache jener neuen deutschen militaristischen Staatsräson gesprochen wird, die Militarisierung möglichst nie Militarisierung nennt und Kriegsvorbereitung als „Resilienzertüchtigung“ kaschiert, sitzen unten im Saal junge Gewerkschafter:innen mit mutigen T-Shirts, die den ganzen geopolitischen Nebel auf einen einfachen Satz zurückführen: Ausbildungsplätze statt Kriegseinsätze. Der DGB-Kongress kreisste und gebar eine friedenspolitische Maus weiterlesen












