Kriegswirtschaft und Militärstaat – TEIL 1 – Zur Kritik der Politischen Ökonomie der Kriege

Von Rudolph Bauer

Die Politische Ökonomie untersucht die Wechselwirkungen zwischen Wirtschaft und Politik, zwischen ökonomischen Produktionsverhältnissen und politischer Macht. Sie analysiert im Anschluss an die »Kritik der politischen Ökonomie« von Karl Marx1 die krisenhaften Auswirkungen der kapitalistischen Ökonomie, und dass diese aus Sicht des Kapitals – und gegen die Interessen der Bevölkerung – ein staatliches Handeln erforderlich machen, das in letzter Konsequenz Krieg bedeutet.

Das krisenbedingte staatliche Handeln zeigt sich zunächst im Rahmen der Militarisierung der Gesellschaft, ferner im Übergang der Wirtschaft zur Kriegsökonomie sowie in der allmählichen Transformation des Staates zum Polizei- und Militärstaat – von Olaf Scholz zur Zeit seiner Kanzlerschaft als »Zeitenwende« apostrophiert. Kriegswirtschaft und Militärstaat enden im Kriegsgeschehen, das kriegerische Zerstörungen und unmenschliche Konsequenzen zur Folge hat: Tote, Verletzte und Traumatisierte, Vertriebene und Flüchtlinge.

Als strukturelle, systembedingte Kriegsursachen benennt die Kritik der Politischen Ökonomie die realökonomischen und Finanzkrisen der kapitalistischen Profit- und Spekulationswirtschaft. Dieser Beitrag analysiert das Bündel an Ursachen der Kriege aus unterschiedlicher Sicht. Kriegswirtschaft und Militärstaat – TEIL 1 – Zur Kritik der Politischen Ökonomie der Kriege weiterlesen

Polizei löst friedliche Blockade gegen Kriegsmaschinerie brutal auf!

Von Peter Vlatten

Deutschland rüstet auf und kürzt in allen anderen Lebensbereichen! „Zeitenwende“ bedeutet: die Weichen werden auf Großmacht und „Kriegstüchtigkeit“ gestellt. „Friedenstüchtig“ und „Sozial“, das war gestern.

Gegen diesen Kurs wendet sich ein mehrtägiges Camp von „Rheinmetall Entwaffnen“ in Köln. Es trägt den Protest direkt vor die Tore der Fabriken, in denen die Waffen gebaut werden, direkt vor die Zentralen, von denen aus Krieg und Militarisierung gemanagt sowie die Profite aus Krieg und Waffen in schwindlige Höhen getrieben werden.

Im Rahmen dieser Campaktionen blockierten am Donnerstag über 200 Aktivist:innen die Lüttich-Kaserne in Köln-Longerich. Die Kaserne ist eine zentrale Stelle für die Verwaltung der Bundeswehr. Hier werden die Menschen rekrutiert, die für den Kriegskurs gebraucht werden. Von hier wird die „Wehrpflicht“ verwaltet. Von hier gehen nach ganz Nordrhein-Westfalen die Musterungsbescheide aus. Hier werden die Strafen und Busbescheide gemanagt, die an die jungen „Männer“ gehen, die sich der Kriegsmaschinerie entziehen.

Es ist unglaublich, wie dieser Staat mit Demonstrant:innen umgeht, die widerständig, aber friedlich gegen diese Zentralstelle der Bundeswehr gestern protestierten und die Anliegen hundert Tausender junger Menschen und ihrer Eltern zum Ausdruck brachten. Sitzblockaden aus Protest, die niemanden gefährden, sind rechtlich absolut zulässig! Polizei löst friedliche Blockade gegen Kriegsmaschinerie brutal auf! weiterlesen

medico international: Ohne uns – Für einen Ausstieg aus der Logik des Krieges

Wir leben in Zeiten einer naiven Hoffnung. Während die Nachrichten täglich vom Schrecken des Krieges künden, wird er uns gleichzeitig als Ausweg aus den Problemen unserer Gegenwart verkauft. Fünf Jahre Stellungs- und Abnutzungskrieg in der Ukraine, aber auch 25 Jahre „Krieg gegen den Terror“ oder der Horror von Gaza: Die bestens dokumentierte Sinnlosigkeit des Krieges kann der Hoffnung auf seine Heilungskräfte scheinbar nichts anhaben. Sein Schrecken hat sich stattdessen zum Argument verkehrt, ihm kriegstüchtig beizutreten – und wer diese Logik kritisiert oder bezweifelt, gilt als Nestbeschmutzer:in der demokratischen Zukunft, als naive:r Friedensaktivist:in oder gar als Putinist:in. Wie konnte es so weit kommen? medico international: Ohne uns – Für einen Ausstieg aus der Logik des Krieges weiterlesen

VW: 50.000 Arbeitsplätze futsch, vier Produktionsstätten werden geschlossen!

Von Alwin Altenwald

Am Donnerstagabend wurde der Zukunftsplan von VW bekanntgegeben:
Aufsichtsrat stimmt Zukunftsplan 2030 zu: Starkes Signal für die Volkswagen Group
Die dem Zukunftsplan 2030 zugrundeliegende Erhebung sieht eine konzernweite Anpassung der Beschäftigtenzahl in Höhe von rund 50.000 abzubauenden Stellen – inkl. Management-Positionen – vor. VW: 50.000 Arbeitsplätze futsch, vier Produktionsstätten werden geschlossen! weiterlesen

Zum Tag der Wohnungslosen – Vom Leben auf der Straße

Zu den unveräußerlichen Menschenrechten gehören ohne Zweifel eine sichere Unterkunft und das Wohnen in Würde, auch in Deutschland. In den vergangenen 10 Jahren ist die Zahl der Menschen ohne Wohnung stetig angestiegen. Mittlerweile leben schätzungsweise 50.000 Männer und Frauen auf der Straße, mehr als 600.000 sind wohnungslos.

Doch diese düsteren Zahlen sind nur die Spitze des Eisbergs. Denn darin nicht erfasst sind Asylbewerber in Sammelunterkünften sowie die vermutlich ziemlich hohe, nicht genau bezifferbare und offensichtlich wachsende Dunkelziffer: Menschen, darunter viele Kinder und Jugendliche, die bei Freunden und Bekannten unterkommen – oder direkt auf der Straße leben.

Diese Entwicklung wird sich weiter fortsetzen, explodierende Kosten für Miete und Energie, wegbrechender Neubau von Sozialwohnungen und steigende Einkommensarmut sorgen dafür, dass immer mehr Menschen auf der Straße leben müssen.

Hinter den Zahlen verbergen sich Menschen, die in Armut gedrückt wurden, deren Leben irgendwann einmal ins Schlingern kam und die nun dem mörderischen Leben auf der Straße ausgesetzt sind.

Falls sie darüber reden und ihre persönliche Geschichte erzählen wollen, hört ihnen niemand zu. Für ihre Mitmenschen sind sie nur lästig mit ihrer Bettelei, dazu stören sie das Stadtbild und vergraulen die Kunden in den Kaufmeilen.

Für die Politik gibt es sie meistens gar nicht, kommen sie doch angeblich täglich aus anderen Orten in die Stadt und wenn man etwas zu viel für sie tut, werden immer mehr von ihnen angezogen.

Da sie sich nicht wehren oder gar Forderungen stellen, braucht man sich sozialpolitisch erst gar nicht aus dem Fenster zu lehnen. Wird das Problem zu sichtbar, ist es eines für den Einsatz von Polizei und Ordnungskräften.

Im Folgenden wird versucht, sich den obdach- und wohnungslosen Menschen in der Großstadt einmal zu nähern. Zum Tag der Wohnungslosen – Vom Leben auf der Straße weiterlesen

Marxismus und Gewerkschaften

Vorwort der Veröffentlichung im Manifest-Verlag (Auszug von 2023)

Gerade jetzt braucht es starke Organisationen der Arbeiter*innenklasse, auch in Form von Gewerkschaften, um sich kollektiv zur Wehr setzen zu können. Und gerade jetzt ist es drängender denn je, über die bestehenden Verhältnisse hinauszublicken und grundlegende Alternativen zur kapitalistischen Misere aufzuzeigen.

Von Angelika Teweleit

Wenn Gewerkschaften Streiks organisieren, und als kämpfende Organisation gesehen werden, dann steigen auch die Mitgliederzahlen – so zeigt die Erfahrung (nicht zuletzt im Streikfrühling 2023). Genauso haben die Gewerkschaften über Jahrzehnte Mitglieder verloren, weil sie wenige Kämpfe geführt haben. Aktivenstrukturen in den Betrieben sind über Jahrzehnte zusammen geschmolzen. Die Führungen der Gewerkschaften haben eine Politik betrieben, die nicht in der Lage war, die neoliberalen Angriffe zurückzuschlagen. Sie haben nicht einmal versucht, ernsthaft zu kämpfen. Deshalb liegt die Ausdünnung der Gewerkschaften und ihre Schwächung vor allem in der Verantwortung ihrer Führungen. Marxismus und Gewerkschaften weiterlesen

Die Vertrauensfrage

Friedrich Merz ließ bereits vor der Bundestagswahl prüfen, wie sich mit dem noch amtierenden Parlament nach der Wahl das Grundgesetz ändern ließe. Seither entsteht eine neue deutsche Sicherheitsordnung: Mehr schuldenfinanzierte Verteidigungs- und Ukraineausgaben, gemeinsame Rüstungsproduktion, Gefechtsdaten und militärische KI, neue operative Befugnisse für die Nachrichtendienste und eine langfristige Bindung an den Konflikt mit Russland. Über diese strategische Neuordnung Deutschlands wurde nie als Ganzes abgestimmt.

Ein Meinungsbeitrag von Sabiene Jahn

Erinnern wir uns kurz: Am 14. April 2026 unterzeichneten Deutschland und die Ukraine eine strategische Partnerschaft. (1) Das Dokument verdient mehr Aufmerksamkeit als die üblichen Erklärungen über fortgesetzte Unterstützung Kiews. Denn darin werden mehrere Bereiche miteinander verbunden, die politisch oft getrennt diskutiert werden. Es sindstungsproduktion, weitreichende Fähigkeiten, Drohnen, Daten, Forschung, Entwicklung und Finanzierung. Deutschland und die Ukraine wollen ihre Zusammenarbeit in der Verteidigungsindustrie vertiefen, weitere Gemeinschaftsunternehmen fördern und die Fertigung und Entwicklung von Flugabwehrsystemen und Flugkörpern in beiden Ländern steigern. Die ukrainische Drohnenindustrie soll weiter unterstützt, Gemeinschaftsunternehmen zur Drohnenproduktion sollen gegründet werden.

Unmittelbar danach folgt die Passage über Partnerschaften auf der Grundlage von Datenkooperation“ sowie gemeinsamer Forschung, Entwicklung und Innovation. Wieder wenige Zeilen später verpflichten sich beide Regierungen zur zügigen Umsetzung des europäischen „Ukraine Support Loan“ und zu Investitionen, die sowohl der deutschen als auch der ukrainischen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie zugutekommen. (1)

Im Anhang wird sichtbar, wie konkret diese Verbindung bereits ist. Die Vertrauensfrage weiterlesen

Rendite mithilfe von Rüstung und Rüstungsexporten ist kein zukunftsfähiges Konzept. Volkswagen und das VW-Werk Osnabrück müssen zivil bleiben!

Bei VW spitzt sich die Lage zu. Mit dem drohenden Abbau von Überkapazitäten überlegt der Konzern eine Rückkehr in das Rüstungsgeschäft, um „Werksschließungen“ zu vermeiden – Konzernchef Blume nennt dies „intelligente Methoden“. Um der Rendite willen sollen nun statt zivilen Nutzfahrzeuge Komponenten für Rüstungsgüter und Kampfsysteme vom Band laufen. Dass dabei ein Geschäftspartner in Erwägung gezogen wird, der tief in den Sumpf des internationalen Waffenhandels involviert ist, lässt leider nur den Schluss zu: Hier geht es nicht um dem Erhalt von Arbeitsplätzen, sondern um den Erhalt von Rendite um jeden Preis, sei es durch todbringende Produkte.

Der zukünftige Partner Rafael Advanced Defense Systems, der in Deutschland bereits mit der Dynamit Nobel Defence in Würgendorf Panzerabwehrwaffen baut und exportiert, ist einer der Hauptlieferanten des israelischen Militärs – nicht nur für Verteidigungsanlagen. Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel! hat wiederholt Kritik an den Rüstungs- exporten in den Nahen Osten und nach Israel geübt. Wir haben auf die Gefahr hingewiesen, dass Waffen und Rüstungsgüter dort nicht nur zur Verteidigung, sondern auch zur Unterdrückung und zu Menschenrechtsverletzungen im Gaza-Streifen und der West-Bank eingesetzt werden. Rendite mithilfe von Rüstung und Rüstungsexporten ist kein zukunftsfähiges Konzept. Volkswagen und das VW-Werk Osnabrück müssen zivil bleiben! weiterlesen

IG Metall fordert Aufschlag für Beschäftigte in gut verdienenden Unternehmen – Gewerkschaftliche Lohnpolitik ist mehr als die Ankurbelung der Binnennachfrage und Inflationsausgleich

Die IG Metall legt voraussichtlich Mitte September ihre Lohnforderung vor. Sie schlägt neuerdings einen Gehaltsaufschlag für Beschäftigte von Firmen mit guten Umsätzen vor. Ein Aufschlag für gut verdienende Firmen könnte es der Gewerkschaft erleichtern, einem niedrigen Lohnabschluss für die gesamte Metall- und Elektroindustrie zuzustimmen.

Den Gehaltsaufschlag sollen nur jene Firmen der Metall- und Elektroindustrie zahlen, denen es entgegen der allgemein schlechteren Lage vergleichsweise gut geht, wie die Luft- und Raumfahrtindustrie, Medizin- und Energietechnik, Rüstungsproduzenten und Teile des Maschinenbaus. Der Mehrheit der Unternehmen soll damit keine weiteren Kosten entstehen und sie erhält ihren geforderten geringen Tarifabschluss. Ein großer Teil von Unternehmen zahlt auf jeden Fall noch weniger, denn das sogenannte „T-Geld“ (Transformationsgeld) entfällt automatisch für jene Betriebe, deren Umsatzrendite unter 2,3 Prozent sinkt.

Die IG Metall möchte vor allem, dass es den Unternehmen gut geht, denn dann kann sie auf einen Anteil hoffen und darauf, dass Arbeitsplätze bestehen bleiben, zumindest die, die für Gewinn sorgen. Es werden wieder einmal die alten Storys erzählt, also die vom Pferd und den Spatzen und der Entwicklung der Gewerkschaft vom einstigen Gegner des Kapitals zum Bittsteller.

Dabei ist gewerkschaftliche Lohnpolitik weitaus mehr als die Ankurbelung der Binnennachfrage und Ausgleich der inflationsbedingten Preissteigerungen. IG Metall fordert Aufschlag für Beschäftigte in gut verdienenden Unternehmen – Gewerkschaftliche Lohnpolitik ist mehr als die Ankurbelung der Binnennachfrage und Inflationsausgleich weiterlesen

Vom Gotteskomplex zur „Kriegstüchtigkeit“: Warum wir Horst-Eberhard Richter heute neu lesen müssen

Von Manfred Böhm

Der Arzt und Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter (1923–2011) verband Tiefenpsychologie mit gesellschaftspolitischem Engagement. Sein Wirken in Berlin, Gießen und Frankfurt am Main prägte die deutsche Friedensbewegung nachhaltig. Angesichts aktueller Debatten um Zeitenwende, massive Aufrüstung und eine geforderte Kriegstüchtigkeit zur Vorbereitung auf einen potenziellen Konflikt mit Russland erweisen sich seine Analysen als brennend aktuell. Seine Schriften legen die unbewussten Mechanismen hinter Eskalationsspiralen offen. Vom Gotteskomplex zur „Kriegstüchtigkeit“: Warum wir Horst-Eberhard Richter heute neu lesen müssen weiterlesen

Kriegsvorbereitung braucht Ruhe nach innen Impuls zum 70. Jahrestag des KPD-Verbots

Redebeitrag von Andreas Buderus

Ein Parteiverbot fällt nicht vom Himmel.
Und ein Krieg beginnt nicht mit dem ersten Schuss.

Beidem geht etwas voraus: politische Vorbereitung, gesellschaftliche Formierung – und die Frage, wie mit denen umgegangen wird, die sich widersetzen. Das ist der Zusammenhang, um den es mir heute geht: Kriegsvorbereitung, Militarisierung, autoritäre Formierung der Gesellschaft und Repression.

Nicht, weil Deutschland 2026 dasselbe wäre wie die BRD 1956. Das ist es nicht.

Aber die Geschichte des KPD-Verbots zeigt ziemlich eindrücklich eine politische Logik, die uns auch heute interessieren sollte: Kriegsvorbereitung braucht nicht nur Waffen, Fabriken und Soldaten. Sie braucht auch Ruhe, Loyalität und Disziplin nach innen. Kriegsvorbereitung braucht Ruhe nach innen Impuls zum 70. Jahrestag des KPD-Verbots weiterlesen

Sozialstaat verteidigen heißt: Kriegskurs stoppen!

Kümmert sich der „BlackRock“-Kanzler überhaupt noch um das gemeine Wohl und den gesellschaftlichen Zusammenhalt? Gewerkschaften machen Stunk. Droht ein heißer Herbst?

Von Johannes Schillo

„Die Regierungskoalition stellt arbeitende Menschen unter den Generalverdacht von Faulheit und Krankfeiern und legt die Axt an die soziale Sicherheit im Land. Das ist nicht das, was wir unter Reformen verstehen. Daher gehen wir am 26. September 2026 gemeinsam auf die Straße.“ So der aktuelle Aufruf der Verdi-Gewerkschaft. Unter der Überschrift „Rette mit uns den Sozialstaat“ wird hier eine tiefe Unzufriedenheit mit dem Kanzler und seinem Team artikuliert, die auch sonst, glaubt man den Meinungsumfragen, in der Republik anzutreffen ist. Die Gründe, die dafür eine Rolle spielen, mögen ganz unterschiedlich sein, doch münden sie meist in den Vorwurf des Versagens bei dem, was eigentlich Aufgabe der Regierung ist.

Ein Totalversagen der Regierung sieht ebenfalls die Linkspartei, die am 10. August ihre „Sozialabbaubilanz“ vorlegte und dem Kanzler bescheinigte, den bislang „massivsten Angriff auf den Sozialstaat“ unternommen zu haben – „historisch fast beispiellos“ und „völlig ohne einen sozialpolitischen Plan“. Auch hier war der Hauptpunkt die Klage darüber, dass der Regierungschef offenkundig vergessen habe, was er dem (Wahl-)Volk schuldig ist. Und das weiß man ja als guter Staatsbürger aus dem Amtseid des Kanzlers, dass er seine „Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen“ und „Gerechtigkeit gegen jedermann üben“ soll (siehe Art. 56 GG). So kommt der Verdacht auf, von einem „BlackRock-Kanzler“ regiert zu werden, der nicht das Gemeinwohl im Auge hat, sondern partikulare Interessen – eben die eines einzelnen Konzerns. Sozialstaat verteidigen heißt: Kriegskurs stoppen! weiterlesen

Homeoffice: Die moderne Form der Heimarbeit ist gekommen, um (verändert) zu bleiben

Ein Gastbeitrag von Stefan Sell

Das Arbeiten zu Hause gibt es schon sehr lange, aber die moderne Form des Homeoffice hat während der Corona-Pandemie einen enormen Schub erhalten1 – und zugleich eine neuartige mindestens Zweiteilung des Arbeitsmarktes eingeleitet, entlang des Unterscheidungsmerkmals der konkreten Tätigkeiten nach ihrem Möglichkeitsgehalt, diese auch von zu Hause auszuüben. Bei der intensiven medialen Diskussion über Homeoffice wurde zuweilen „vergessen“, dass es Millionen Jobs gibt, von der Müllentsorgung über Pflege/Betreuung, Polizei und LKW-Fahrer bis hin zur Arbeit auf Baustellen oder im stationären Einzelhandel, die nicht nach Hause ausgelagert werden können – was vielleicht auch daran lag, dass diejenigen, die über das Thema berichtet haben und auch diejenigen, die darüber forschen, selbst ganz überwiegend von zu Hause zoomen und schreiben konnten und viele machen das auch heute noch weitaus intensiver als vor der Pandemie.

Bereits seit längerem wird man konfrontiert mit teilweise sehr kontroversen Debatten im Umfeld des sich ausbreitenden Anliegens vieler Arbeitgeber, die Leute wieder „zurückzuholen“ in die Büros2 – und die dabei durchaus auf Widerstände und Ablehnung bei einem Teil der Beschäftigten stoßen.

Parallel dazu hat sich die Forschung über die moderne Heimarbeit3 ausdifferenziert und zahlreiche differenzierte Befunde zu Tage gefördert.4 Auch zu der umstrittenen Frage, wie es denn mit der „Produktivität“ der Beschäftigten im Homeoffice-Setting bestellt ist.

Andere Perspektiven waren und sind auf die mögliche bzw. tatsächliche Spaltung zwischen den Geschlechtern gerichtet, auf die Auswirkungen hinsichtlich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie bis hin zu dem Vorwurf, die erkennbaren Muster der Homeoffice-Nutzung würden eine Retradionalisierung der Geschlechterrollen befeuern. Homeoffice: Die moderne Form der Heimarbeit ist gekommen, um (verändert) zu bleiben weiterlesen

Zeitung gegen den Krieg (ZgK) Nr. 63

Ankündigung der ZgK Nr. 63

Für den Herbst 2026

Nach den heißen Sommertemperaturen brauchen wir einen politisch heißen Herbst mit Aktionen – besonders für den Frieden. Dazu bieten wir die entsprechende Leselektüre

  • in einer Zeit, wo die Gewerkschaften zu notwendigen Sozialprotesten mobilisieren, aber die Ursachen des sozial Kahlschlages fast nur an der gewerkschaftlichen Basis thematisiert wird
  • in einer Zeit, wo die traditionelle Verbundenheit der Gewerkschaften mit der Friedensbewegung auch mobilisierend für #unkürzbar-Demonstrationen sein muss
  • in einer Zeit, wo der Widerstand gegen Wehrpflicht und Zwangsdienste sich in fortgesetzten Aktionen der Jugend niederschlägt
  • in einer Zeit, wo schwindelerregende Aufrüstung einhergeht mit hysterischer Kriegspropaganda gegen Russland
  • in einer Zeit, wo die US-Politik zusammen mit den europäischen NATO-Partnern unverhüllt imperiale Kriege und Kriegsdrohungen betreibt
  • in einer Zeit, wo der Genozid in Gaza und der Siedlerterror im Westjordanland von der deutschen Bundesregierung nach wie vor toleriert werden

Die neue Ausgabe der Zeitung gegen den Krieg (ZgK) Nr. 63 erscheint u.a. mit den Themen:

  • DEUTSCHLAND: Gewerkschaften im Zwiespalt zu Aufrüstungspolitik und Widerstand gegen sozialen Kahlschlag
  • DEUTSCHLAND: Widerstand gegen Wehrpflicht und Zwangsdienste
  • DEUTSCHLAND: Kriegsökonomie zerstört unser Land
  • FRIEDENSBEWEGUNG: vielfältige Demonstrationen und Aktionen gegen Völkermord, Kriege und Kriegsvorbereitung
  • US-POLITIK: Die Welt sagt Nein zum US-Imperialismus

Autorinnen und Autoren der neuen ZgK-Ausgabe: Walden Bello | Reiner Braun | Maria Buchwitz | Sevim Dagdelen | Axel Fersen | Ronja Fröhlich | Edgar Göll | Joachim Guillard | Andre Hunko | Michael Müller | Karl Heinz Peil | Sören Pellmann | Wiltrud Rösch-Metzler | Jeffrey Sachs | Helga Schwitzer | Ingar Solty | Ralf Stegner | Ivan Timofejew | Martin Tontsch | Bernhard Trautvetter | Angelika Wilmen

8 Seiten im Zeitungsformat | Bezugspreise wie folgt (jeweils zuzüglich Porto & Verpackung): Zeitung gegen den Krieg (ZgK) Nr. 63 weiterlesen

Ein anderer Blick auf Russland. Zur Neuausgabe des Buches von Sebastian Haffner “Der Teufelspakt. Eine Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen“

Von Andreas Wehr

Sebastian Haffner war Journalist, zunächst in Berlin und nach seiner Flucht 1938 vor den Nazis in Großbritannien. 1954 kehrte er nach in Deutschland zurück. Seine im Feuilletonstil stets ohne Fußnoten und Literaturhinweise geschriebenen historischen Essays, etwa über Hitler [1] oder die deutsche Revolution [2], erreichten, anders als wissenschaftliche Abhandlungen, Massenauflagen. Haffner schrieb immer spannend, vor allem aber pointiert. Er bezog stets eine klare politische Haltung, oft im Widerspruch zum offiziellen Mainstream. Seine Bücher waren über Jahrzehnte eine Fundgrube für Linke.

Es ist daher zu begrüßen, dass der Hanser Verlag jetzt sein Buch „Der Teufelspakt. Eine Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen“ erneut herausgebracht hat.[3] Die Erstausgabe erschien bereits 1968 im Rowohlt-Verlag. Zuvor war die Studie als Serie im Journal „Stern“ abgedruckt worden. Der Schweizer Manesse Verlag veröffentlichte 1988 eine gekürzte Ausgabe mit dem Untertitel „Die deutsch-russischen Beziehungen vom 1. zum 2. Weltkrieg“.

Die zweite Auflage des lange Zeit vergessenen Buches kommt zum richtigen Zeitpunkt. Das deutsch-russische Verhältnis ist erneut auf einem Tiefpunkt angelangt. Berlin hat sich im Krieg zwischen Russland und der Ukraine ganz auf die Seite Kiews gestellt. Mit umfangreichen Waffenlieferungen, Entsendung von Beratern sowie massiver Finanzhilfe zugunsten der Ukraine führt Deutschland quasi seinen eigenen Krieg gegen Russland. Allein deutsche Truppen fehlen noch. Das Kämpfen überlässt man einstweilen den Ukrainern. Ein anderer Blick auf Russland. Zur Neuausgabe des Buches von Sebastian Haffner “Der Teufelspakt. Eine Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen“ weiterlesen