Der Arzt und Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter (1923–2011) verband Tiefenpsychologie mit gesellschaftspolitischem Engagement. Sein Wirken in Berlin, Gießen und Frankfurt am Main prägte die deutsche Friedensbewegung nachhaltig. Angesichts aktueller Debatten um Zeitenwende, massive Aufrüstung und eine geforderte Kriegstüchtigkeit zur Vorbereitung auf einen potenziellen Konflikt mit Russland erweisen sich seine Analysen als brennend aktuell. Seine Schriften legen die unbewussten Mechanismen hinter Eskalationsspiralen offen. Vom Gotteskomplex zur „Kriegstüchtigkeit“: Warum wir Horst-Eberhard Richter heute neu lesen müssen weiterlesen
Kriegsvorbereitung braucht Ruhe nach innen Impuls zum 70. Jahrestag des KPD-Verbots
Redebeitrag von Andreas Buderus
Ein Parteiverbot fällt nicht vom Himmel.
Und ein Krieg beginnt nicht mit dem ersten Schuss.
Beidem geht etwas voraus: politische Vorbereitung, gesellschaftliche Formierung – und die Frage, wie mit denen umgegangen wird, die sich widersetzen. Das ist der Zusammenhang, um den es mir heute geht: Kriegsvorbereitung, Militarisierung, autoritäre Formierung der Gesellschaft und Repression.
Nicht, weil Deutschland 2026 dasselbe wäre wie die BRD 1956. Das ist es nicht.
Aber die Geschichte des KPD-Verbots zeigt ziemlich eindrücklich eine politische Logik, die uns auch heute interessieren sollte: Kriegsvorbereitung braucht nicht nur Waffen, Fabriken und Soldaten. Sie braucht auch Ruhe, Loyalität und Disziplin nach innen. Kriegsvorbereitung braucht Ruhe nach innen Impuls zum 70. Jahrestag des KPD-Verbots weiterlesen
Sozialstaat verteidigen heißt: Kriegskurs stoppen!
Kümmert sich der „BlackRock“-Kanzler überhaupt noch um das gemeine Wohl und den gesellschaftlichen Zusammenhalt? Gewerkschaften machen Stunk. Droht ein heißer Herbst?
Von Johannes Schillo
„Die Regierungskoalition stellt arbeitende Menschen unter den Generalverdacht von Faulheit und Krankfeiern und legt die Axt an die soziale Sicherheit im Land. Das ist nicht das, was wir unter Reformen verstehen. Daher gehen wir am 26. September 2026 gemeinsam auf die Straße.“ So der aktuelle Aufruf der Verdi-Gewerkschaft. Unter der Überschrift „Rette mit uns den Sozialstaat“ wird hier eine tiefe Unzufriedenheit mit dem Kanzler und seinem Team artikuliert, die auch sonst, glaubt man den Meinungsumfragen, in der Republik anzutreffen ist. Die Gründe, die dafür eine Rolle spielen, mögen ganz unterschiedlich sein, doch münden sie meist in den Vorwurf des Versagens bei dem, was eigentlich Aufgabe der Regierung ist.
Ein Totalversagen der Regierung sieht ebenfalls die Linkspartei, die am 10. August ihre „Sozialabbaubilanz“ vorlegte und dem Kanzler bescheinigte, den bislang „massivsten Angriff auf den Sozialstaat“ unternommen zu haben – „historisch fast beispiellos“ und „völlig ohne einen sozialpolitischen Plan“. Auch hier war der Hauptpunkt die Klage darüber, dass der Regierungschef offenkundig vergessen habe, was er dem (Wahl-)Volk schuldig ist. Und das weiß man ja als guter Staatsbürger aus dem Amtseid des Kanzlers, dass er seine „Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen“ und „Gerechtigkeit gegen jedermann üben“ soll (siehe Art. 56 GG). So kommt der Verdacht auf, von einem „BlackRock-Kanzler“ regiert zu werden, der nicht das Gemeinwohl im Auge hat, sondern partikulare Interessen – eben die eines einzelnen Konzerns. Sozialstaat verteidigen heißt: Kriegskurs stoppen! weiterlesen
Homeoffice: Die moderne Form der Heimarbeit ist gekommen, um (verändert) zu bleiben
Ein Gastbeitrag von Stefan Sell
Das Arbeiten zu Hause gibt es schon sehr lange, aber die moderne Form des Homeoffice hat während der Corona-Pandemie einen enormen Schub erhalten1 – und zugleich eine neuartige mindestens Zweiteilung des Arbeitsmarktes eingeleitet, entlang des Unterscheidungsmerkmals der konkreten Tätigkeiten nach ihrem Möglichkeitsgehalt, diese auch von zu Hause auszuüben. Bei der intensiven medialen Diskussion über Homeoffice wurde zuweilen „vergessen“, dass es Millionen Jobs gibt, von der Müllentsorgung über Pflege/Betreuung, Polizei und LKW-Fahrer bis hin zur Arbeit auf Baustellen oder im stationären Einzelhandel, die nicht nach Hause ausgelagert werden können – was vielleicht auch daran lag, dass diejenigen, die über das Thema berichtet haben und auch diejenigen, die darüber forschen, selbst ganz überwiegend von zu Hause zoomen und schreiben konnten und viele machen das auch heute noch weitaus intensiver als vor der Pandemie.
Bereits seit längerem wird man konfrontiert mit teilweise sehr kontroversen Debatten im Umfeld des sich ausbreitenden Anliegens vieler Arbeitgeber, die Leute wieder „zurückzuholen“ in die Büros2 – und die dabei durchaus auf Widerstände und Ablehnung bei einem Teil der Beschäftigten stoßen.
Parallel dazu hat sich die Forschung über die moderne Heimarbeit3 ausdifferenziert und zahlreiche differenzierte Befunde zu Tage gefördert.4 Auch zu der umstrittenen Frage, wie es denn mit der „Produktivität“ der Beschäftigten im Homeoffice-Setting bestellt ist.
Andere Perspektiven waren und sind auf die mögliche bzw. tatsächliche Spaltung zwischen den Geschlechtern gerichtet, auf die Auswirkungen hinsichtlich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie bis hin zu dem Vorwurf, die erkennbaren Muster der Homeoffice-Nutzung würden eine Retradionalisierung der Geschlechterrollen befeuern. Homeoffice: Die moderne Form der Heimarbeit ist gekommen, um (verändert) zu bleiben weiterlesen
Zeitung gegen den Krieg (ZgK) Nr. 63
Ankündigung der ZgK Nr. 63
Für den Herbst 2026
Nach den heißen Sommertemperaturen brauchen wir einen politisch heißen Herbst mit Aktionen – besonders für den Frieden. Dazu bieten wir die entsprechende Leselektüre
- in einer Zeit, wo die Gewerkschaften zu notwendigen Sozialprotesten mobilisieren, aber die Ursachen des sozial Kahlschlages fast nur an der gewerkschaftlichen Basis thematisiert wird
- in einer Zeit, wo die traditionelle Verbundenheit der Gewerkschaften mit der Friedensbewegung auch mobilisierend für #unkürzbar-Demonstrationen sein muss
- in einer Zeit, wo der Widerstand gegen Wehrpflicht und Zwangsdienste sich in fortgesetzten Aktionen der Jugend niederschlägt
- in einer Zeit, wo schwindelerregende Aufrüstung einhergeht mit hysterischer Kriegspropaganda gegen Russland
- in einer Zeit, wo die US-Politik zusammen mit den europäischen NATO-Partnern unverhüllt imperiale Kriege und Kriegsdrohungen betreibt
- in einer Zeit, wo der Genozid in Gaza und der Siedlerterror im Westjordanland von der deutschen Bundesregierung nach wie vor toleriert werden
Die neue Ausgabe der Zeitung gegen den Krieg (ZgK) Nr. 63 erscheint u.a. mit den Themen:
- DEUTSCHLAND: Gewerkschaften im Zwiespalt zu Aufrüstungspolitik und Widerstand gegen sozialen Kahlschlag
- DEUTSCHLAND: Widerstand gegen Wehrpflicht und Zwangsdienste
- DEUTSCHLAND: Kriegsökonomie zerstört unser Land
- FRIEDENSBEWEGUNG: vielfältige Demonstrationen und Aktionen gegen Völkermord, Kriege und Kriegsvorbereitung
- US-POLITIK: Die Welt sagt Nein zum US-Imperialismus
Autorinnen und Autoren der neuen ZgK-Ausgabe: Walden Bello | Reiner Braun | Maria Buchwitz | Sevim Dagdelen | Axel Fersen | Ronja Fröhlich | Edgar Göll | Joachim Guillard | Andre Hunko | Michael Müller | Karl Heinz Peil | Sören Pellmann | Wiltrud Rösch-Metzler | Jeffrey Sachs | Helga Schwitzer | Ingar Solty | Ralf Stegner | Ivan Timofejew | Martin Tontsch | Bernhard Trautvetter | Angelika Wilmen
8 Seiten im Zeitungsformat | Bezugspreise wie folgt (jeweils zuzüglich Porto & Verpackung): Zeitung gegen den Krieg (ZgK) Nr. 63 weiterlesen
Ein anderer Blick auf Russland. Zur Neuausgabe des Buches von Sebastian Haffner “Der Teufelspakt. Eine Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen“
Sebastian Haffner war Journalist, zunächst in Berlin und nach seiner Flucht 1938 vor den Nazis in Großbritannien. 1954 kehrte er nach in Deutschland zurück. Seine im Feuilletonstil stets ohne Fußnoten und Literaturhinweise geschriebenen historischen Essays, etwa über Hitler [1] oder die deutsche Revolution [2], erreichten, anders als wissenschaftliche Abhandlungen, Massenauflagen. Haffner schrieb immer spannend, vor allem aber pointiert. Er bezog stets eine klare politische Haltung, oft im Widerspruch zum offiziellen Mainstream. Seine Bücher waren über Jahrzehnte eine Fundgrube für Linke.
Es ist daher zu begrüßen, dass der Hanser Verlag jetzt sein Buch „Der Teufelspakt. Eine Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen“ erneut herausgebracht hat.[3] Die Erstausgabe erschien bereits 1968 im Rowohlt-Verlag. Zuvor war die Studie als Serie im Journal „Stern“ abgedruckt worden. Der Schweizer Manesse Verlag veröffentlichte 1988 eine gekürzte Ausgabe mit dem Untertitel „Die deutsch-russischen Beziehungen vom 1. zum 2. Weltkrieg“.
Die zweite Auflage des lange Zeit vergessenen Buches kommt zum richtigen Zeitpunkt. Das deutsch-russische Verhältnis ist erneut auf einem Tiefpunkt angelangt. Berlin hat sich im Krieg zwischen Russland und der Ukraine ganz auf die Seite Kiews gestellt. Mit umfangreichen Waffenlieferungen, Entsendung von Beratern sowie massiver Finanzhilfe zugunsten der Ukraine führt Deutschland quasi seinen eigenen Krieg gegen Russland. Allein deutsche Truppen fehlen noch. Das Kämpfen überlässt man einstweilen den Ukrainern. Ein anderer Blick auf Russland. Zur Neuausgabe des Buches von Sebastian Haffner “Der Teufelspakt. Eine Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen“ weiterlesen
Und es gab ihn doch, den politischen Streik in der BRD – „Zeitungsstreik“ der IG Druck und Papier im Mai 1952
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hatte schon im Sommer 1951 angesichts der unnachgiebigen Haltung der Adenauerregierung gegenüber den Neuordnungsforderungen der Gewerkschaften die Mitarbeit in den wirtschaftspolitischen Gremien der BRD eingestellt, sich konfliktbereit gezeigt und drohte der Bundesregierung, seine Mitglieder zu gewerkschaftlichen Kampfmaßnahmen aufzurufen.
Im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen stand die Ausdehnung der paritätischen Mitbestimmung auf die gesamte Wirtschaft, was vehement von den Unternehmerverbänden und den Regierungsparteien, der CDU/CSU und der extrem kapitalorientierten FDP verweigert wurde.
Doch nach der Demonstration gewerkschaftlicher Kampfbereitschaft und -fähigkeit in den Auseinandersetzungen um die Montanmitbestimmung war es für die Gewerkschaft klar, dass es nur durch harte und offene Konflikte zwischen der Arbeiterbewegung und den reaktionären, teils offen faschistischen Kräften eine Restauration der Machtverhältnisse zu verhindern war.
Gegen den Protest der Gewerkschaften, der SPD und der KPD wurde im Juli 1952 der Entwurf des Betriebsverfassungsgesetzes durch den Bundestag gepeitscht.
Für die Gewerkschaften bedeutete das einen schweren Rückschlag für die gewerkschaftliche Neuordnungspolitik. Für sie war das Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) kein Ersatz für ein einheitliches Arbeitsgesetzbuch und sie sahen mit dem parlamentarischen Vorstoß die Gefahr der Trennung von Gewerkschaften und Betriebsräten, die ja auch bis heute in der Spaltung von innerbetrieblichen Organen und den Gewerkschaften außerhalb der Betriebe sichtbar ist. Und es gab ihn doch, den politischen Streik in der BRD – „Zeitungsstreik“ der IG Druck und Papier im Mai 1952 weiterlesen
ver.di Arbeitskreis Frieden – Rundbrief 9/2026 – Veranstaltungen: Afghanistan – Antikriegstag – Sozialprotest – Red Storm Charlie – Friedensdemo
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
der heutige Rundbrief zu einigen anstehenden Veranstaltungen:
1. Afghanistan – 5 Jahre nach der Machtübernahme der Taliban – Veranstaltung am 20. August 2026
2. Antikriegstag – 1. September 2026
2.1. ver.di Hamburg – Veranstaltung
2.2. Demonstration am Antikriegstag
2.3. Aufrufe zum Antikriegstag
3. Schulstreik gegen die Wehrpflicht – am 25. September 2026
4. DGB-Großkundgebung gegen Sozial-Kahlschlag – am 26. September 2026
5. Demonstration gegen Red Storm Charlie – am 26. September 2026
6. Friedensdemonstration in Berlin – am 3. Oktober 2026 ver.di Arbeitskreis Frieden – Rundbrief 9/2026 – Veranstaltungen: Afghanistan – Antikriegstag – Sozialprotest – Red Storm Charlie – Friedensdemo weiterlesen
Politischer Streik – von der Obrigkeit nicht gewünscht!
Der politische Streik ist in der BRD irgendwie verboten. Jedenfalls halten sich die Gewerkschaften daran. Eine neue Publikation greift diesen Konsens an. Eine Rezension.
Von Johannes Schillo
Bekanntlich sind Arbeitskämpfe in der BRD bei den maßgeblichen Instanzen nicht beliebt. Sie sollen möglichst rasch über die Bühne gehen und von Seiten der Gewerkschaften kompromissbereit abgewickelt werden, ohne dass diese große Erwartungen bei den Mitgliedern schüren, vielmehr für einen geordneten Ablauf sorgen. Daher sind auch verbandsfreie, wilde Streiks verboten und solche mit politischen Inhalten sowieso. Das wäre ja noch schöner, wenn sich im politischen Betrieb die Interessen von Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen einfach so – ungefiltert durch die Rücksichtnahme auf staatliche Notwendigkeiten – zu Wort melden würden. Und das auch noch mit einiger Macht, die sie im Prinzip ja haben, weil sie den Laden am Laufen halten.
Seitdem sich in den Gewerkschaften eine antimilitaristische Opposition bemerkbar macht, die auch noch an alte friedenspolitische Ideale der Arbeitervertretung anknüpfen kann, wird diese Beschränkung aber nicht mehr unwidersprochen hingenommen. Wer sagt denn, dass solche Streiks verboten sind? Warum sollen sich Arbeitsniederlegungen nur um Arbeitsplätze kümmern und nicht um die Bedingungen, unter denen sie geschaffen, betreut und abgebaut werden, also Objekt der politischen Ordnungsstiftung sind? Sind durch die laufende Kriegsvorbereitung nicht die Lebensbedingungen der arbeitenden Bevölkerung in massiver Weise betroffen? Solche kritischen Nachfragen werden jetzt von einer Neuerscheinung unterstützt, die im PapyRossa-Verlag erschienen ist. Politischer Streik – von der Obrigkeit nicht gewünscht! weiterlesen
Berufsausbildung im Dauerkrisenmodus: Ergebnis von 57 Jahren verfehlter Berufsbildungspolitik und mangelhafter Ausbildungsbereitschaft bei den Unternehmen
In Deutschland waren im Jahr 2025 offiziell 47,5 Millionen Menschen erwerbstätig, so viele wie nie zuvor. Das entspricht einer Quote von 77 Prozent aller Personen im Alter zwischen 15 und 65 Jahren. 35 Millionen von ihnen waren sozialversicherungspflichtig beschäftigt, doch arbeitete die Hälfte der erwerbstätigen Frauen, meist unfreiwillig, in unterbezahlter Teilzeit oder Minijobs. Dagegen waren 3,5 Millionen Menschen erwerbslos bzw. unterbeschäftigt bei 750.000 gemeldeten offenen Stellen.
Im vergangenen Jahr stieg die Arbeitsproduktivität gesamtwirtschaftlich um gut ein Prozent, im verarbeitenden Gewerbe um drei Prozent und in der Autoindustrie um mehr als fünf Prozent. Gleichzeitig erhöhte sich die Zahl registrierter arbeitsloser Menschen auf knapp 2,8 Millionen, ebenso die Anzahl der ausschließlich geringfügig Entlohnten auf 4,25 Millionen.
Während die Unternehmen lautstark einen Fachkräftemangel beklagen, bleiben 2,5 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 34 Jahren ohne eine abgeschlossene Ausbildung zurück.
Laut dem Bundesinstitut für Berufsbildung gingen die Ausbildungsverträge 2024 um 0,5 Prozent gegenüber 2023 auf 486.700 zurück, gleichzeitig blieben aber fast 70.000 Ausbildungsplätze unbesetzt. Im vergangenen Jahr bildeten nur knapp 19 Prozent aller Betriebe aus.
Die Unternehmen denken hauptsächlich einzelbetrieblich, d.h. sie bilden nur dann aus, wenn sie Netto-Ausbildungserträge schon während der Ausbildung erwirtschaften oder nach der Ausbildung die Ausgebildeten an ihren Betrieb binden können. Ansonsten verlegen sie sich lieber auf eine Abwerbestrategie ausgebildeter Arbeitskräfte im In- und Ausland. Berufsausbildung im Dauerkrisenmodus: Ergebnis von 57 Jahren verfehlter Berufsbildungspolitik und mangelhafter Ausbildungsbereitschaft bei den Unternehmen weiterlesen
US-Militärfirma übernimmt EU-Migrationsabwehr
Die US-Firma Metrea setzt mindestens ein Flugzeug für die EU-Migrationsabwehr im westlichen Mittelmeer ein. Das wurde durch die Nachverfolgung auffälliger Flugmuster bekannt, die denen von Küstenwachen oder der EU-Grenzagentur Frontex ähneln.[1] Die zweimotorige Beechcraft King Air 200 startet zumeist von Alicante in Spanien und überwacht die Route von Algerien in Richtung der Balearen. Einsätze erfolgten aber auch zwischen Kreta und Libyen. „Frontex ist darüber informiert und hat dies genehmigt“, so die Grenzagentur.
Metrea ist ein Sicherheits- und Rüstungsdienstleister, der eng mit dem Militär in den USA kooperiert. Dazu gehören Überwachung, elektronische Kriegsführung zum Stören gegnerischer Funksysteme sowie „Spezialflugoperationen“. Bekannt ist Metrea auch durch den Betrieb militärischer Luftbetanker, dem Unternehmen zufolge gibt es ansonsten keine kommerziellen Betreiber dieser „Stratotanker“. Für Frontex fliegt Metrea mit einem Mehrzweckflugzeug mit dem Rufzeichen „Eagle 5“. US-Militärfirma übernimmt EU-Migrationsabwehr weiterlesen
Neues von der Infrastrukturfront: Re-Aktivierung erster Bundeswehr Liegenschaften konkretisiert und neue Gesetze beschlossen
Dieser Text ist zunächst am 11.8.2026 als IMI-Studie/Analyse 2026/19 von der Informationsstelle Militarisierung veröffentlicht worden.
Von Jürgen Wagner
Die Bundeswehr soll wachsen – von aktuell rund 185.000 aktiven Soldat*innen auf 260.000 im Jahr 2035 (plus 200.000 Reservist*innen). Weil die Truppe nicht zuletzt dafür eine Menge Platz benötigt, wurde bereits im Oktober 2025 ein Moratorium für die Rückgabe von 187 bereits „ausgemusterter“ (plus 13 dafür vorgesehener) ehemaliger Liegenschaften der Bundeswehr verkündet.
Dies war und ist besonders dort problematisch, wo auf diesen Flächen die Planungen (und Investitionen) für den Bau ziviler Wohnviertel bereits weit fortgeschritten waren.[1] Im Anschluss daran wurde ein Prüfprozess initiiert, der nun dazu geführt hat, dass bei ersten Standorten die Pläne zur Re-Aktivierung konkretisiert werden sollen (während es für einige andere Teilentwarnungen gibt). Damit dann im Anschluss die Errichtung neuer Unterkünfte zügig über die Bühne gehen kann, wurden auf Bundes- wie teils auch auf Länderebene Gesetze auf den Weg gebracht, mit denen die Bundeswehr von nahezu allen Bauauflagen befreit wird. Neues von der Infrastrukturfront: Re-Aktivierung erster Bundeswehr Liegenschaften konkretisiert und neue Gesetze beschlossen weiterlesen
Die Risiken der Aufrüstung für gewerkschaftliche Machtressourcen
Die EU plant ein milliardenschweres Aufrüstungspaket. Das wird uns als geopolitische Notwendigkeit verkauft – aber stimmt das wirklich? Welche Risiken für Frieden und Arbeitnehmer:innenrechte sind mit diesem Aufrüstungsprogramm verbunden? Mit dem Jenaer Machtressourcenansatz kann abgeschätzt werden, wie sich die Militarisierung auf gewerkschaftliche Macht auswirken könnte. Die Risiken der Aufrüstung für gewerkschaftliche Machtressourcen weiterlesen
Mitgliederversammlung der Deutschen Journalisten Union (dju) in der Gewerkschaft ver.di fordert dju-Bundesspitze und ver.di auf, sich für die Aufhebung der EU-Sanktionen gegen den Journalisten Hüseyin Doğru einzusetzen
Die Mitgliederversammlung der Deutschen Journalisten Union (dju) in der Gewerkschaft Verdi hat mit großer Mehrheit einen Antrag angenommen, der die dju-Bundesspitze und Verdi auffordert, sich für die Aufhebung der EU-Sanktionen gegen den Journalisten Hüseyin Doğru einzusetzen. Bisher hatte noch keine nennenswerte Gliederung einer Gewerkschaft öffentlich Solidarität mit Doğru bekundet.
Mit den am 20. Mai 2025 vom Rat der Europäischen Union gegen den Journalisten Hüseyin Doğru verhängten Sanktionen wurden Maßnahmen ergriffen, die erhebliche Auswirkungen auf dessen berufliche und wirtschaftliche Existenz und auf seine Familie mit drei kleinen Kindern haben. Die EU-Sanktionen umfassen eine Sperrung der Konten, das Einfrieren seines Vermögens und den Entzug der Reisefreiheit. Zwischenzeitlich waren auch die Konten der Ehefrau sowie der Mutter von Hüseyin Doğru gesperrt. Ihm wird vorgeworfen, russische Propaganda zu unterstützen. Ein Verfahren gab es nicht. Die Sanktionen wurden freihändig vom EU-Rat ausgesprochen.
Der angenommene Antrag lautet nach Angaben von Florian Warweg, Redakteur der „Ostdeutschen Allgemeinen“, der einer der beiden Initiatoren des Antrags war: Mitgliederversammlung der Deutschen Journalisten Union (dju) in der Gewerkschaft ver.di fordert dju-Bundesspitze und ver.di auf, sich für die Aufhebung der EU-Sanktionen gegen den Journalisten Hüseyin Doğru einzusetzen weiterlesen
Schulstreiks gegen die Einführung einer neuen Wehrpflicht in 2026: Ihr kriegt uns nicht!
Am 18. / 19. Juli 2026 fanden sich in Essen über 220 Schülerinnen und Schüler aus ganz Deutschland zur dritten Schulstreikkonferenz zusammen. Es sollte ein Wochenende voller Programm werden, mit Grußwörtern, Workshops und der Diskussion einer Abschluss-Resolution über die nächsten Schritte der Bewegung. Der nächste Schulstreik ist nun für den 25. September 2026 vorgesehen. Wir dokumentieren euch hier dazu einen Bericht von Phil Werring, der dem bundesweiten Schulstreikbündnis angehört. Außerdem dokumentieren wir euch die dort verabschiedete Resolution.
Am 81. Jahrestag der Befreiung von Krieg und Faschismus streikten Schülerinnen und Schüler zuvor bereits in ganz Deutschland zum dritten Mal gegen die Wehrpflicht. Dazu gibt es einen Bericht von Andrea Hornung, Bundesvorsitzende der SDAJ, aktiv in der Initiative ‚Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder‘. Wir dokumentieren euch zudem ihre Rede beim Schulstreik in Göttingen. Außerdem dokumentieren wir euch zwei Pressemitteilungen der Schulstreikbewegung, die noch am 8. Mai verschickt wurden. Davon befasst sich eine besonders mit den staatlichen Repressionen bei diesem Schulstreik. Insbesondere in München. Ebenfalls findet ihr auf dieser Seite die Berichte von der Schulstreikkonferenz, die zuvor am 18. und 19. April in Göttingen stattfand. In diesem Zusammenhang auch das Grußwort unserer Initiative auf dieser Konferenz sowie den dort gefassten Beschluss betreff weiterer Aktivitäten der Schulstreikbewegung. Schulstreiks gegen die Einführung einer neuen Wehrpflicht in 2026: Ihr kriegt uns nicht! weiterlesen


